Judy Chicago, Kunst aus der weiblichen Perspektive!

  • Die facettenreiche amerikanische Künstlerin, geboren in Chicago* und ein gefeierter Star, entwickelt ihre einzigartige feminine Ästhetik ständig weiter, sie stellt die maskuline Dominanz in Frage und feiert die Erfolge der Frauen, die oft vergessen werden oder in den Hintergrund geraten. Anstelle klarer und eckiger Formen wie bei ihren Kollegen bevorzugt sie großzügige, sinnliche, bunte und aufreizende Bögen, Spiralen oder Muschelformen, die an Symbole weiblicher Stärke erinnern.

Ende der 1970er Jahre wurde ihre gewagte und poetische Kunst bekannt mit 'The Dinner Party', einer monumentalen Installation in Form eines dreieckigen Tisches mit 39 Plätzen, der auf einem Porzellansockel steht, auf dem die Namen von 999 mythischen Frauen verzeichnet sind. Dieses berühmte Kunstwerk, das die Stellung der Frauen im Westen aufzeigt, war weltweit zu sehen. Mittlerweile steht es im Brooklyn Museum in New York.

Über dieses außergewöhnliche Rechercheprojekt entdeckte Judy Chicago die fundamentale Rolle von Göttinnen in der Antike und den verschiedenen Kulturen der Welt. Den Frauen eine göttliche Dimension zu verleihen, verborgene Teile der Geschichte offenzulegen, im Glanz dieser inspirierenden und kreativen Figuren, dies ist die leidenschaftliche Bestimmung, die ihre Arbeit an unzähligen Themen lenkt, so auch seit fast 60 Jahren an der Stickerei. So konnte sie in der Zusammenarbeit mit Maria Grazia Chiuri ihre umfangreichen Kenntnisse über die Geschichte der Frauen wie auch über die Arbeit mit Nadel und Faden sowie mit Textilien einfließen lassen. Zudem hat sie weltweit Vorträge gehalten, 14 Bücher veröffentlicht und 1970 das Feminist Art Program an der California State University in Fresno mitbegründet. Dieser neue Ansatz wurde schon bald mit der Malerin Miriam Schapiro bei der Ausstellung 'Womanhouse' fortgesetzt, die von Künstlerinnen und einer Gruppe von Studierenden des renommierten California Institute of the Arts (CalArts) organisiert wurde, die über Konventionen und soziale Schranken hinweg denken.

Als echte Pionierin definiert sie Kunst als die höchste Ausdrucksform der Menschen – der Menschen, die sich viele Jahrhunderte lang von den Frauen abgewandt haben.

* Die als Judy Cohen geborene Künstlerin hat den Namen ihrer Geburtsstadt als ihren Familiennamen gewählt.

Bildnachweis – Sarah Blais & Kristen Pelou